Eine Sichtschutzhecke ist auch Lebensraum

Hecken gibt es in den verschiedensten Formen. Die sauber und exakt geschnittene Buchsbaumhecke, eine etwas wilder gewachsene Buchenhecke – aber auch Mischformen sind in den Gärten beliebte Elemente. In erster Linie dienen sie dazu, einen Sichtschutz zu erschaffen. Je nach Lage des Grundstücks gibt es verschiedene Aspekte, die den Wunsch nach einer grünen Mauer akut werden lassen. Das nahe Küchenfenster des Nachbarn oder dessen direkt gegenüber liegende Terrasse reichen schon aus. Wer will sich schon die Würstchen vom Grill gucken lassen und über jede Aktivität im Garten ein längeres Gespräch führen? Nicht nur der Gartenbereich, auch die Fenster im Erdgeschoss sind oftmals Lücken in der heiligen Privatsphäre einer Familie. Auch diese lassen sich durch eine klug angepflanzte Hecke schließen. Nun bleiben noch die Passanten, die eventuell direkt am Garten vorbei fahren, radeln, joggen oder spazieren. Auch diese müssen nicht alles mitbekommen, was man im Garten arbeitet, redet oder genießt – und sei es nur ein Sonnenbad.

Leider aus dem Landschaftsbild immer mehr verschwunden sind natürliche Hecken, die sich zum Beispiel an Bachläufen, zwischen zwei Wiesen oder entlang einer vor Urzeiten errichteten Steinmauer als Grundstücksgrenze selbst angepflanzt haben. Flurbereinigungen und das Bestreben, jeden Quadratzentimeter Nutzfläche gewinnbringend zu bearbeiten, ließen diese Idylle von der Bildfläche verschwinden. Durch den natürlichen Wuchs, das beinahe unberechenbare Vermischen aller möglichen heimischen Gräser, Stauden, Sträucher und Bäume sind solche Naturhecken aber natürlich aus biologischer Sicht ein unsagbar vielfältiger Lebensraum für alle Arten von Tieren, begonnen bei Insekten und Spinnen bis hin zu Vögeln, Nagern und Co.

Warum ist eine Sichtschutzhecke ein beliebter Lebensraum?

Der Garten an sich bietet viele interessante Gegebenheiten für allerlei Getier. Blüten stehen zur Nahrungsaufnahme für Insekten parat. Jene dienen wiederum als Futter für Vögel und so fügt sich eines in das andere, wie es ja von der Natur eigentlich vorgesehen ist. Selbst die vom Menschen so ungeliebten Schnecken und Raupen, die manches Gemüsebeet oder Blumenarrangement zerstören, haben im Lebensraum Garten ihren Stellenwert und sind Teil des Großen und Ganzen der Nahrungskette. Nur aus der Perspektive des Menschen sind Blattläuse und Co. ungebetene Gäste.

Doch nicht nur das Fressen und gefressen werden findet im Schutz und auf dr Grundlage einer Hecke statt. Zumindest in größeren Hecken findet sich immer wieder einmal ein Vogelnest, in welchem fleißig eine Aufzucht heimischer Vögel erfolgt. Dies ist natürlich davon abhängig, ob sich die Heckenpflanze(n) für den Nestbau eignen, wie das Futterangebot sich gestaltet und wie viele Katzen und andere Fressfeinde in der Nähe „wohnen“. Bei genauerem Betrachten fällt auf, dass Spinnennetze, Kokons von Insekten und viele andere Kinderstuben und „Wohnungen“ ebenfalls in der Hecke zu finden sind.

In einer Hecke kann man sich aber auch gut verstecken. Zwischen den meist dicht gewachsenen Ästen findet sich manches Schlupfloch, in welchem Tiere schlechtes Wetter, zu heiße Sonne und natürlich auch drohende Gefahren durch Räuber (sowie Maschinen und natürlich Menschen) unbeschadet überstehen können. Je höher eine Hecke letztendlich ist, umso interessanter wird sie auch als geschützter Aussichtsplatz für Beutezüge und Co.,

Nicht nur der Mensch profitiert von einer Hecke als Sichtschutz und Windschutz – alle Lebewesen, die sich naturgemäß um sie herum aufhalten, kommen in den Genuss vielfältiger Vorteile. So kann der Gärtner quasi ganz nebenbei noch etwas für den Erhalt der Artenvielfalt und sogar dem Überleben bedrohter Tierarten unternehmen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass, je vielfältiger eine Hecke aufgebaut ist, auch mehr Tiere darin eine Heimat oder ihren Nutzen finden. Hie und da ein Löwenzahn oder eine Brennnessel, ein Mix aus Bambus, großen Ziergräsern, etwa Chinaschilf sowie Sträuchern und Stauden, an der Ecke vielleicht sogar ein Nadel- oder Laubbaum: Je abwechslungsreicher das Biotop in seiner Gesamtheit ist, umso artenreicher sind ihre Bewohner. Die wild gemischte Naturhecke steht also als Lebensraum ganz oben auf der Liste – je mehr die Hecke als Monokultur gestaltet wird, umso weniger Tiere fühlen sich auch wohl.

Weitere positive Aspekte einer Sichtschutzhecke

Nicht nur der Mensch braucht einen Sichtschutz – wie eben beschrieben, nutzen diese Tatsache auch eine Menge Tiere, um sich ungestört aufhalten, ihre Jungen aufziehen oder vor Feinden verstecken zu können. Wo Sichtschutz vorhanden ist, ist auch der Windschutz nicht weit. Gerade in einem Garten ist eine Hecke gar nicht so dumm, wenn es darum geht, andere Pflanzen (oder Sitz- und Ruhebereiche des Menschen) vor starkem Wind zu schützen. Abgeknickte Halme, abgefallene Blüten, gebrochene Äste – bis zur Höhe der Hecke werden diese unschönen Vorkommnisse deutlich reduziert.

Je älter eine Hecke wird, umso tiefer und dichter wird auch ihr Wurzelwerk. Dies bringt für den Boden in ihrer Umgebung einiges an Stabilität – und wenn es noch so stark regnet, wird sich das Erdreich dort nur wenig oder gar nicht auswaschen. Des Weiteren agiert eine Hecke, wie alle Pflanzen, als natürlicher Luftfilter – eine Tatsache, die vor allem bei einer vorbeiführenden Straße nicht zu verachten ist. Es werden aber nicht nur Schadstoffe aus der Luft gefiltert: Durch die natürliche Photosynthese entsteht bekanntlich Sauerstoff.

Mit welchen Tieren kann man rechnen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da jedes Grundstück anders gelegen ist und das Vorkommen gewisser Arten dadurch ausgeschlossen sein kann. In urbaner Lage wird die Hecke wohl kaum seltene Singvögel, Feldhasen oder Füchse anziehen. Diese Tiere sind eher dort zu erwarten, wo die Hecke zumindest in zweiter Reihe an ein dörfliches bis ländliches Gebiet anschließt. Ameisen, Käfer und Co. finden sich in fast jeder Hecke und auch mit mancher (Spitz-)Maus wird man ab und an rechnen können. Ob ein Marder zum Heckengast wird, Kaninchen oder gar Rebhühner angetroffen werden, entscheidet hingegen die Lage und das Vorkommen der Tiere in freier Wildbahn. Oft gänzlich unentdeckt und eher zufällig (zum Beispiel anhand von Kotspuren) bemerkt, zieht es übrigens auch Igel in den Schutz einer Hecke im Garten. Nicht zuletzt deswegen, weil hier unter Umständen auch das Buffet sehr reichhaltig ausfällt.

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